(Dies Beitrag erschien auf dem Blog der OSB Alliance. Autor ist Ludger Schmitz.)

Es waren bekanntlich die Anwender, die in München bis zur Arbeitsunfähigkeit todunglücklich mit ihren Linux-Arbeitsplätzen und Open-Source-Anwendungen waren. Mitfühlende Stadtpolitiker von SPD und CSU haben schließlich 90 Millionen Euro locker gemacht, damit demnächst wieder alle Mitarbeiter glücklich an ihren Arbeitsplätze sitzen. Und der Engel Alois sitzt wohl immer noch berauscht im Hofbräuhaus, weshalb die horrenden Erfahrungen der bayrischen Landeshauptstadt mit Open Source nicht in Barcelona angekommen sind.

Dort will die kommunale Verwaltung in einer ersten Phase bis zum Frühjahr nächsten Jahres (man glaubt es kaum) alle Desktop-Anwendungen durch adäquate Open-Source-Software ersetzen. Die Rede ist unter anderem von Open-Xchange als Ersatz für Outlook und Exchange sowie von Firefox und LibreOffice statt Internet Explorer und MS Office.

Mit der Neuprogrammierung anderer Software auf Open-Source-Basis will die Stadt lokale Softwarehäuser beauftragen.

Sie selbst stellt 65 Entwickler zusätzlich ein, vor allem um gänzlich neue Anwendungen aufzubauen. Genannt ist eine Online-Plattformen für öffentliche Ausschreibungen. Barcelona hat angekündigt, alle im Rahmen des Projekts entwickelte Software werde unter eine Open-Source-Lizenz gestellt und anderen Kommunen in Spanien und weltweit zur Verfügung stehen.

Nach Abschluss dieser Projektphase soll Ubuntu Windows auf den Desktops ersetzen. In der Stadt gibt es bereits ein Pilotprojekt mit 1000 Ubuntu-Desktops. Als Benutzeroberfläche scheint nach diversen Meldungen KDE der Favorit zu sein.

Die Pläne Barcelonas haben nichts mit den separatistischen Bestrebungen Kataloniens zu tun. Die Bevölkerung Barcelonas ist nach den Ergebnissen der Referenden mehrheitlich ohnehin für den Verbleib in Spanien. Barcelona ist vielmehr eine Stadt, in der diverse Open-Source-Anbieter angesiedelt sind. Die Stadtverwaltung verwendet bereits in großem Umfang Open Source, sie gehört mit den Regionen Andalusien und Estremadura zu den treibenden Kräften für Open Source in der spanischen öffentlichen Verwaltung.

 

Francesca Bria, die Beauftragte für Technologie und Innovation des Stadtrats von Barcelona, nannte Kosteneinsparungen als ein, aber nicht primäres Motiv für die Abkehr von Microsoft. Vielmehr hat sich Barcelona als erste europäische Großstadt der Kampagne Public Money, Public Code angeschlossen.

Für die Umstellung hat der Stadtrat einen radikalen Einschnitt bei den IT-Ausgaben beschlossen. Ab dem laufenden Jahr werden 70 Prozent des IT-Budgets für Open-Source-Software aufgewendet.